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Wie? Das kostet was? Musst du davon leben?

15. Januar 2008

Also ich, so als Medienproduzent, bin immer wieder mit dem gleichen Problem konfrontiert. Egal ob gewerbliche oder private Interessenten, alle fallen in das gleiche Verhaltensmuster. Man hätte gerne was, und das soll möglichst bombastisch, groß und unglaublich toll aussehen. Na aber zahlen möchte man dafür nix. Wo kämen wir denn dahin, wenn jemand was vom sauer verdienten Geld abbekommen würde. Für so ‘n bisschen vorm Computer sitzen. Frechheit, dafür Geld zu verlangen.

Da frage ich mich meistens: meinen die das ernst? Ein Arbeitnehmer fordert von seinem Chef auch eine Entlohnung für das, was er tut (oder tun sollte). Genauso verlangt eine Firma von Kunden für mühsam entwickelte, produziert Ware entsprechende Bezahlung.
In beiden Fällen stecken (meistens) viel Zeit, Schweiß und Nerven hinter dem fertigen Produkt. Ganz zu schweigen von banalen Dingen wie Strom, Geräten und Kaffee.

Warum nimmt der Mensch lieber, als zu geben? Hat sich die Nachkriegsgeneration das Motto “Nimm-was-du-kriegen-kannst” zu groß auf die Stirn geschrieben? Sind vielleicht viele Menschen deshalb schneller bei der Arbeitsagentur um dort Sozialleistungen zu kassieren, als auf dem Arbeitsmarkt um die eigene Arbeitskraft dort anzubieten?

Von mir kann ich jedenfalls das Gegenteil behaupten. Ich habe im vergangenen Jahr bei meinem früheren (relativ gut betuchten) Arbeitgeber gekündigt. Er hat mich nicht bezahlt; wollte auch nur nehmen, anstatt zu geben. Naja, dass er dazu noch jeden Tag ekelhafte Körpergerüche von sich gegeben hat, verschweige ich mal lieber. Geld stinkt wohl richtig heftig.
Also raus mit der Kündigung, viel Geheule vom Ex-Chef anhören (ihm gehts ja so schlecht) (auf seinem Geldberg), und dann bemerken: Hoppla, keine Krankenversicherung mehr. Da eröffnete sich für mich folgende Möglichkeit: ich melde mich arbeitslos, bekomme bis zum Beginn meines Studiums Sozialhilfe und damit kostenfreien Krankenversicherungsschutz.

Aber eigentlich war ich da gar nicht so arm dran. Ich benötigte das Geld nicht wirklich, immerhin hatte ich durch die vorherige Tätigkeit und freiberufliche Jobs nebenbei ein Polster geschaffen. Von Eltern und Verwandten (Stichwort Nachkriegsgeneration) kam immer der gleiche Ratschlag: “Sei doch nicht so dumm, nimm das [Geld vom Arbeitsamt] doch einfach mit.” Klang schon verlockend. Aber brauche ich das denn wirklich? Auf Kosten anderer leben, obwohl ich selbst gut durchkommen würde?

Zu diesem Zeitpunkt hat mein Gewissen eindeutig das längere Streichholz gezogen. Ich habe mich nicht arbeitslos gemeldet. Ich gehöre nicht zu den vielen Leuten, die rücksichtslos nehmen, was sie kriegen können. Ich hab’s auch so geschafft. Andere lachen natürlich darüber, denn die paar Euronen, die der Staat sich an mir sparen konnte, merkt man im Haushalt der Bundesrepublik sowieso nicht.

Nein, natürlich nicht. Aber ich darf vielleicht zurecht sagen, dass ich aus moralischer Sicht ein besserer Mensch bin, als alle anderen.

Und solche muss es auch geben.

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