
Orientierungslosigkeit & Fernsehwahn
14. Januar 2008Damit wir dem “Wahngedanken” des Blogs gleich zu Beginn gerecht werden können, muss ein geeignetes Thema her. Naja eher ein Angriffsobjekt. RTL.
Über die ursprünglich angestrebte Freiheit von meinungsbildenden Meinungsäußerungen in diesem Blog reden wir jetzt lieber mal nicht, das wird eh nichts. Aber bin ich denn der einzige, der sich die Frage stellt: kann das denn so weitergehen im deutschen Fernsehprogramm? Muss denn auf den (vermeintlich kostenlosen) Privatsendern ein Fernsehprogramm von solch niedrigem Niveau laufen?
Ist das vielleicht eine Verschwörung der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender? Naja, vielleicht gar nicht so abwegig. Wer sich nicht von B, C, D und F-Promis erzählen lassen möchte, wie ungemütlich der Dschungel ist (ja warum geht ihr da auch hin?!), der sucht wohl nach Fernsehprogrammen höheren Anspruchs.
Doch wo setzt man an, wenn man anspruchsvolle Angebote im deutschen TV sucht? Vergleichen sollte man nicht die zugekauften Spielfilme der verschiedenen Sender, da alle unterschiedlichste Filme zeigen und dabei keinem wirklichen Stil treu bleiben.
Verglichen werden sollten eher die von den Sendern selbst oder in Auftrag produzierten Sendungen mit Reportage-Charakter. Und gerade solche, von hohem Niveau, finden sich auf Sendern wie 3sat, ARTE und ARD/ZDF. So langsam ziehen selbst die dritten Programme nach.
Bei der Frage, was genau eine niveauvolle Reportage oder eine hochwertige Dokumentation sein soll, muss man vorsichtig sein, nicht den persönlichen Geschmack oder Vorlieben einfließen zu lassen. Und Fragen aus produktionstechnischer Sicht (wackelt die Kamera, oder hatte man Lust und Zeit ein Stativ einzusetzen) interessieren auch nicht jeden.
Viel wichtiger ist ein Aspekt, den jeder von uns wichtig findet: der Inhalt. Themen, die den Kopf zum Denken anregen. Ob der beschriebene Gegenstand eine Maschine, ein Mensch oder ein Mythos ist - das geht wieder auf die persönlichen Vorlieben des Zuschauers zurück. Denn er ist derjenige, der entscheidet, was er sieht. Er ist auch derjenige, der einem Sender sensationell hohe, oder vernichtend niedrige Quoten beschert.
Na dann frage ich mich, wie RTL beim dritten Debüt von “Ich bin ein Star, holt mich hier raus!” einen Marktanteil von sagenhaften 33% erreicht haben soll. Werden wir Menschen im Alltag derart gefordert, dass wir uns abends eine so seichte Sendung reinziehen müssen? Mit Menschen, die “prominent” sind, aber auch nur mit Wasser kochen wie du und ich? Ist das eine weitere Ausprägung des BigBrother-Voyeurismus? Und vor allem: Geht das jetzt immer so weiter?
Ich bin froh, dass es die öffentlich-rechtlichen Sender gibt. Und ich bin froh, dass die GEZ genau diese Sender unterstützt. Natürlich freue ich mich genausowenig wie andere Mitmenschen, wenn ich für meinen TV pro Monat über 17€ bezahlen darf. Aber die sind es mir wert. Denn sie geben mir die Gewissheit, dass mein Gehirn beim Stillen des all-abendlichen Unterhaltungshungers nicht auf die Ersatzbank geschoben werden muss.
Interesanter Text! Ich schäme mich auch heute Abend Ich bin ein Star… geschaut zu haben
Naja, ich glaube manchmal brauchen die Menschen einfach nur ein bisschen was zum Lästern…
Öffentlich-rechtliche sind oft nicht schlecht. Mir gefällt der Wilmsberg Krimi in Münster.