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Markus Lanz im ZDF - Wer hat das nur verbrochen

3. Juni 2008

In diesem Moment läuft im ZDF die Premierensendung von Markus Lanz, der von RTL zu ZDF wechselte. Um gleich richtig einzusteigen: die Aufmachung der Sendung ist erschreckend - als hätte Lanz einen Schwung Redakteure, Bühnenbildner, Kamera und Regie von RTL mitgebracht. Vor gelangweiltem Publikum (durch extreme Tiefenschärfe sind sehr deutlich verdrehte Augen erkennbar) versucht der erste Gast, Verona Pooth, das Verhalten ihres Mannes Franjo zu verteidigen. Die Geschichte um Maxfield ist ja jedem bekannt - besinnen wir uns also auf Form und Umsetzung der Sendung. 

Gestaltung - vom ZDF sind wir höherwertige Produktionen gewohnt. Leider heben sich weder Frau Pooth, noch der selten gezeigte Moderator, deutlich vom Publikum ab. Durch lange, statische Einstellungen auf den Gast schweift der Blick des Zuschauers zu gerne auf das Publikum ab. Dort sitzt, links von Frau Pooths Kopf, eine Zuschauerin, deren Blick Bände spricht. Es passiert einfach nichts. Man langweilt sich. So gut wie allen Zuschauern lässt sich diese Begeisterung aus dem Gesicht lesen. Die schon angesprochene hohe Tiefenschärfe lässt auch eine eindeutige Trennung von Hintergrund und Vordergrund oft nicht zu. Zu undeutlich ist das Publikum von den Gästen optisch getrennt, weshalb mein von keinem harmonischen Bild sprechen kann. Mit zunehmender Dauer der Sendung wird das Publikum auch zunehmend unruhig und lenken zusätzlich vom eigentlichen Geschehen ab. Dem Fernsehzuschauer, der ohnehin nur schwer bei Laune zu halten ist, wird auch nichts weiter ansprechendes präsentiert. Selten lockerte zu Beginn (beinahe 15 Minuten lang) eine Kamerafahrt, eine Zoomfahrt, eine Detaileinstellung die Situation auf. Es scheint, als müsste das gesamte Team um Markus Lanz erst auftauen, als wären Kamerafahrten, Regie und Bildgestaltung etwas völlig Neues, was man erst erlernen müsste. Kollegen bei Kerner und Illner machen das aber erfolgreich vor. 
Mit dem Wechsel der Gäste erfolgt dann auch ein Wechsel der Sitzposition. Pooth saß rechts, die folgenden Gäste des “Early Learning”-Modells links von Markus Lanz. Obwohl innovativ und deshalb durchaus bemerkenswert, verunsichert dieser “Achssprung” den Zuschauer. Das ohnehin schon magere Kontinuitätsgefühl (gleich mehr dazu) wird hier deutlich abgeschwächt.

Der Moderator - kann er denn wirklich eine Talkshow führen? So oft, wie Lanz seinen Gästen ins Wort fällt, so oft verspürt man als Zuschauerden Drang umzuschalten. Es entsteht absolut keine Kontinuität. Kein Gedanke darf zu Ende geführt werden. Man bekommt eher den Eindruck, dass Lanz seine Liste an vorbereiteten Fragen abarbeiten möchte, anstatt Freiraum für Argumentationen und evtl. einen roten Faden zu geben. Es wird schwierig der Diskussion zu folgen. Die Gäste selbst kommen dazu nicht ausreichend zu Wort. Zwar kennt man deren Situation aus der Anmoderation von Lanz, aber was sie wirklich vermitteln wollen, wird kaum erkennbar. Dazu bekommen sie schlicht und ergreifend keine Zeit - mag daran liegen, dass Markus Lanz vom früheren Arbeitgeber diese Dialog-Situation nicht kennt: Auf Fragen sollte doch eine Antwort aus dem Munde des Gastes kommen, und nicht etwa aus dem des Moderators. Nach wenigen Momenten der Vorstellung neuer Gäste werden auch schon zusätzliche Experten (im Publikum sitzend) eingeführt. So wie wir das aus den Nachmittags-Talkshows schon kennen. 
Zudem versucht Lanz (mit Ansteckmikrofon) das räumlich und akustisch äußerst präsente Publikum während einer kurzen Applaus-Phase mit seiner Stimme zu übertönen und den nächsten Beitrag anzusagen. Aber man versteht ihn leider nicht. Wieder keine Kontinuität. 
Ganz banal ausgedrückt: der Moderator stört. Im 2-Sekunden-Takt hören wir (während ein Gast spricht) ein zustimmendes “mhm”. Im Takt. Er lacht lauthals, er kommentiert. Aber er moderiert nicht. Mhm.

Das Format - wirklich neu scheint es nicht zu sein. Bisher kannten wir es aber nur von privaten Sendern, in manchmal in gewohnt niedriger Qualität. Leider wurde vieles hiervon einfach kopiert. Das Publikum sitzt zu nahe. Es wirkt wie eine Art Relflexion der eigenen empfundenen Langeweile. Die Ausdrucksweise des Moderators lässt eher auf eine private Boulevard-Sendung schließen: “Kinder werden tiefergelegt - mhm”. 
Die Experten im Publikum erinnern wie schon erwähnt an private Formate, deren Präsenz im Nachmittagsprogramm durchaus etwas eingeschränkt werden dürfte - oh nein, jetzt sehen wir das auch im Abendprogramm. Mhm. 

 

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Web statt Bett - Bett statt Web - Bett fürs Web

20. Mai 2008

Das finde ich klasse von Google. Ganz ehrlich: da ist keinerlei Ironie im Spiel. Wenn Google des Abends den Server des Branchencenters aufräumt, genauer genommen: das Backend, dann bekommt man beim Aufruf desselbigen folgende Meldung:

Das Google-Branchencenter ist während der nächsten Stunde nicht verfügbar. 
Wir bedanken uns für Ihre Geduld während der von uns ausgeführten routinemäßigen Systemwartung.

Genauer gesagt aktualisieren wir das “Backend” (diesen eingängigen, allgemeinen Sammelbegriff haben wir von unseren Technikern übernommen, die im Hintergrund an dem ganzen Technikkrimskrams arbeiten, aber wissen, dass die Mitarbeiter der Öffentlichkeitsarbeit schlecht sagen können “Wir arbeiten gerade im Hintergrund an diesem ganzen Technikkrimskrams”, ohne dass Sie, der aufgeklärte Google-Nutzer, ein wenig irritiert sind, mindestens aber die Frage stellen: “Moment, von welchem Kram ist gerade die Rede?”).

Bitte versuchen Sie es in einer Stunde erneut. Oder weniger, je nachdem, wie lange es gedauert hat, bis Sie diese Nachricht verstanden haben.

Das ist doch eine nette Art, ungeduldige Internetnutzer auf die eigene Ungeduld hinzuweisen. Gerade der letzte Satz trifft genau ins Schwarze: Sobald wir eine Fehlermeldung nach dem Schema “Bitte versuchen Sie es später wieder” sehen, hat wohl jeder von uns mindestens 4 mal den Reload-Button gedrückt, um dann festzustellen, dass man es vielleicht wirklich später nochmal versuchen sollte. 

Solche Meldungen können uns täglich auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Auch das Web muss eine Pause einlegen, Rekreation betreiben, auch wenn seine Technikkollegen (etwa der Strom) angeblich nie schlafen. 

All das Philosophieren hat in diesem Moment etwas sehr positives: Eigentlich sollte auch ich um diese Uhrzeit eine Pause einlegen, um nicht (wie gewohnt) eine lange Nacht im Web anstatt im Bett zu verbringen.

Also: Computer ausschalten, und schlafen gehen. Google macht ja auch erst morgen früh wieder auf.  

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RTL mal dicke auf die Tüte getreten… na endlich!

26. Januar 2008

Norbert Schneider, Direktor der LfM Nordrhein-Westfalen, kritisierte die Sendungen “Deutschland sucht den Superstar” und “Ich bin ein Star - holt mich hier raus!” des Privatsenders RTL. Der Sender schade seinem Image mehr, als er Gewinn aus diesen Sendungen ziehen könnte. Vor allem in Zeiten, in denen über die Qualität der Programme deutscher Privatsender diskutiert werde, würde sich RTL keinen Gefallen mit solchen Sendungen tun (siehe Quellen unten).

Meiner Meinung nach ist der Echtheitsgrad solcher Shows ohnehin anzuzweifeln. Für mich wirken viele Teilnehmer von DSDS nicht real. Wer würde sich schon mit derart schlechten Gesangs- und Tanzqualitäten freiwillig vor eine Jury stellen, in der man das Urteil von Dieter Bohlen schon beim Betreten des Raumes in seinem Gesicht ablesen kann. Dann weinend auf den Boden werfen, lange von Kameras gezeigt werden und sich damit das Leben für die nächsten paar Jahre komplett zerstören lassen. Dafür muss man doch als normal denkender Mensch Geld bekommen… oder etwa nicht?

Ist außerdem jemanden schon aufgefallen, dass die “Probanden” aus dem Publikum der Uri Geller Show (Pro7) auffällig ruhig und kontrolliert reagieren, wenn Sie sich an der Show aktiv beteiligen sollen? Reagiert ein normaler Mensch nicht zuerst verunsichert oder leicht abweisend, wenn ein Show-Moderator oder der “Zauberer” mit seinem Mikrofon und ungewissen absichten auf ihn zukommt? Und wenn das so ist, warum tut das kein einziger Proband in dieser Show?

Wie schon in meinen vorhergehenden Blogs, muss ich auch diesmal wieder anmerken, dass ich sehr froh über das Urteil von (für die Medienlandschaft) bedeutenden Menschen bin. Die Qualität der (privaten) TV Programme leidet in Deutschland erheblich.
Hoffentlich lenken einige Sender bald ein und tun sich durch eigene und kreative Showkonzepte hervor, um allen TV-Fans wieder ein anspruchsvolles Programm (ohne Uri Geller, Bohlen und alle Nachmittags-Talkshows) bieten zu können.

Die Hoffnung stirbt (wie immer) zuletzt. Hoffen wir das Beste!

Quellen:

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Wie? Das kostet was? Musst du davon leben?

15. Januar 2008

Also ich, so als Medienproduzent, bin immer wieder mit dem gleichen Problem konfrontiert. Egal ob gewerbliche oder private Interessenten, alle fallen in das gleiche Verhaltensmuster. Man hätte gerne was, und das soll möglichst bombastisch, groß und unglaublich toll aussehen. Na aber zahlen möchte man dafür nix. Wo kämen wir denn dahin, wenn jemand was vom sauer verdienten Geld abbekommen würde. Für so ‘n bisschen vorm Computer sitzen. Frechheit, dafür Geld zu verlangen.

Da frage ich mich meistens: meinen die das ernst? Ein Arbeitnehmer fordert von seinem Chef auch eine Entlohnung für das, was er tut (oder tun sollte). Genauso verlangt eine Firma von Kunden für mühsam entwickelte, produziert Ware entsprechende Bezahlung.
In beiden Fällen stecken (meistens) viel Zeit, Schweiß und Nerven hinter dem fertigen Produkt. Ganz zu schweigen von banalen Dingen wie Strom, Geräten und Kaffee.

Warum nimmt der Mensch lieber, als zu geben? Hat sich die Nachkriegsgeneration das Motto “Nimm-was-du-kriegen-kannst” zu groß auf die Stirn geschrieben? Sind vielleicht viele Menschen deshalb schneller bei der Arbeitsagentur um dort Sozialleistungen zu kassieren, als auf dem Arbeitsmarkt um die eigene Arbeitskraft dort anzubieten?

Von mir kann ich jedenfalls das Gegenteil behaupten. Ich habe im vergangenen Jahr bei meinem früheren (relativ gut betuchten) Arbeitgeber gekündigt. Er hat mich nicht bezahlt; wollte auch nur nehmen, anstatt zu geben. Naja, dass er dazu noch jeden Tag ekelhafte Körpergerüche von sich gegeben hat, verschweige ich mal lieber. Geld stinkt wohl richtig heftig.
Also raus mit der Kündigung, viel Geheule vom Ex-Chef anhören (ihm gehts ja so schlecht) (auf seinem Geldberg), und dann bemerken: Hoppla, keine Krankenversicherung mehr. Da eröffnete sich für mich folgende Möglichkeit: ich melde mich arbeitslos, bekomme bis zum Beginn meines Studiums Sozialhilfe und damit kostenfreien Krankenversicherungsschutz.

Aber eigentlich war ich da gar nicht so arm dran. Ich benötigte das Geld nicht wirklich, immerhin hatte ich durch die vorherige Tätigkeit und freiberufliche Jobs nebenbei ein Polster geschaffen. Von Eltern und Verwandten (Stichwort Nachkriegsgeneration) kam immer der gleiche Ratschlag: “Sei doch nicht so dumm, nimm das [Geld vom Arbeitsamt] doch einfach mit.” Klang schon verlockend. Aber brauche ich das denn wirklich? Auf Kosten anderer leben, obwohl ich selbst gut durchkommen würde?

Zu diesem Zeitpunkt hat mein Gewissen eindeutig das längere Streichholz gezogen. Ich habe mich nicht arbeitslos gemeldet. Ich gehöre nicht zu den vielen Leuten, die rücksichtslos nehmen, was sie kriegen können. Ich hab’s auch so geschafft. Andere lachen natürlich darüber, denn die paar Euronen, die der Staat sich an mir sparen konnte, merkt man im Haushalt der Bundesrepublik sowieso nicht.

Nein, natürlich nicht. Aber ich darf vielleicht zurecht sagen, dass ich aus moralischer Sicht ein besserer Mensch bin, als alle anderen.

Und solche muss es auch geben.

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Orientierungslosigkeit & Fernsehwahn

14. Januar 2008

Damit wir dem “Wahngedanken” des Blogs gleich zu Beginn gerecht werden können, muss ein geeignetes Thema her. Naja eher ein Angriffsobjekt. RTL.

Über die ursprünglich angestrebte Freiheit von meinungsbildenden Meinungsäußerungen in diesem Blog reden wir jetzt lieber mal nicht, das wird eh nichts. Aber bin ich denn der einzige, der sich die Frage stellt: kann das denn so weitergehen im deutschen Fernsehprogramm? Muss denn auf den (vermeintlich kostenlosen) Privatsendern ein Fernsehprogramm von solch niedrigem Niveau laufen?

Ist das vielleicht eine Verschwörung der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender? Naja, vielleicht gar nicht so abwegig. Wer sich nicht von B, C, D und F-Promis erzählen lassen möchte, wie ungemütlich der Dschungel ist (ja warum geht ihr da auch hin?!), der sucht wohl nach Fernsehprogrammen höheren Anspruchs.

Doch wo setzt man an, wenn man anspruchsvolle Angebote im deutschen TV sucht? Vergleichen sollte man nicht die zugekauften Spielfilme der verschiedenen Sender, da alle unterschiedlichste Filme zeigen und dabei keinem wirklichen Stil treu bleiben.
Verglichen werden sollten eher die von den Sendern selbst oder in Auftrag produzierten Sendungen mit Reportage-Charakter. Und gerade solche, von hohem Niveau, finden sich auf Sendern wie 3sat, ARTE und ARD/ZDF. So langsam ziehen selbst die dritten Programme nach.

Bei der Frage, was genau eine niveauvolle Reportage oder eine hochwertige Dokumentation sein soll, muss man vorsichtig sein, nicht den persönlichen Geschmack oder Vorlieben einfließen zu lassen. Und Fragen aus produktionstechnischer Sicht (wackelt die Kamera, oder hatte man Lust und Zeit ein Stativ einzusetzen) interessieren auch nicht jeden.
Viel wichtiger ist ein Aspekt, den jeder von uns wichtig findet: der Inhalt. Themen, die den Kopf zum Denken anregen. Ob der beschriebene Gegenstand eine Maschine, ein Mensch oder ein Mythos ist - das geht wieder auf die persönlichen Vorlieben des Zuschauers zurück. Denn er ist derjenige, der entscheidet, was er sieht. Er ist auch derjenige, der einem Sender sensationell hohe, oder vernichtend niedrige Quoten beschert.

Na dann frage ich mich, wie RTL beim dritten Debüt von “Ich bin ein Star, holt mich hier raus!” einen Marktanteil von sagenhaften 33% erreicht haben soll. Werden wir Menschen im Alltag derart gefordert, dass wir uns abends eine so seichte Sendung reinziehen müssen? Mit Menschen, die “prominent” sind, aber auch nur mit Wasser kochen wie du und ich? Ist das eine weitere Ausprägung des BigBrother-Voyeurismus? Und vor allem: Geht das jetzt immer so weiter?

Ich bin froh, dass es die öffentlich-rechtlichen Sender gibt. Und ich bin froh, dass die GEZ genau diese Sender unterstützt. Natürlich freue ich mich genausowenig wie andere Mitmenschen, wenn ich für meinen TV pro Monat über 17€ bezahlen darf. Aber die sind es mir wert. Denn sie geben mir die Gewissheit, dass mein Gehirn beim Stillen des all-abendlichen Unterhaltungshungers nicht auf die Ersatzbank geschoben werden muss.